Mittwoch, 7. November 2012

125 Jahre Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz Sehenswerte Ausstellung vom 10. November 2012 bis 1. April 2013


125 Jahre Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz Sehenswerte Ausstellung vom 10. November 2012 bis 1. April 2013

Das Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz feiert in diesem Jahr seinen 125.
Geburtstag.
Bergbau und Handwerk, Posamenten und Klöppeln, Zinngießerei und Töpferei, Münzwesen und Holzkunst sowie Textil- und Spielzeugherstellung spielen in dem traditionsreichen Haus eine besondere Rolle. Die ständige Ausstellung spannt einen Bogen über fünf Jahrhunderte, von der beginnenden Neuzeit bis in die jüngste Vergangenheit.
Anlässlich des 125. Jubiläums öffnet am Samstag, dem 10. November um 11.00 Uhr eine Sonderausstellung ihre Pforten. Mit besonderen Exponaten beleuchtet sie schlaglichtartig die Entwicklung des Museums und die Strategie des Gründers Emil Finck. Einzelne Sachzeugen werden z. T.
erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Auf ganz unterschiedliche Weise zeugen sie von der Historie und Volkskultur in Annaberg-Buchholz und dem Erzgebirge. Bis zum 1. April 2013 ist die Sonderschau geöffnet.

Geschichte des „Museums erzgebirgischer Alterthümer“ - originales Silberbergwerk

Die Geschichte des Erzgebirgsmuseums reicht zurück ins 19. Jahrhundert. Vor
125 Jahren, am 12. Juni 1887, gründete der „Verein für Geschichte von Annaberg und Umgegend“ das „Museum erzgebirgischer Alterthümer“ in Annaberg. Initiatoren waren gebildete, wohlhabende und einflussreiche Bürger der Stadt. Stolz auf die eigene Tradition und das Bewusstmachen der eigenen geschichtlichen Bedeutung waren in der Zeit der Industrialisierung wesentliche Beweggründe für das aufstrebende Bürgertum, ein solches Vorhaben zu realisieren.

Naturkundliche und lokalhistorische Ausstellungen, die bereits 1883 bzw.
1885 stattfanden, schufen dafür maßgebliche Grundlagen. Zahlreiche interessante Stücke, Dokumente und historische Sachzeugen sensibilisierten dabei die Bürgerschaft für die Schätze der Region. Hauptinitiator des ehrgeizigen Projekts war der Bürgerschullehrer Emil Finck. Er lebte von
1856 bis 1922 und erwarb sich besondere Verdienste bei der Bewahrung erzgebirgischer Kulturgüter. Im Zusammenhang mit den beiden Ausstellungen gründete ein Komitee den Geschichtsverein Annaberg und sorgte u. a. dafür, dass ein Teil der Leihgeber ihre Ausstellungsgegenstände dem Verein übereignete. Damit war der Grundstock für ein Museum gelegt. Bereits der Katalog der Rathaus-Ausstellung von 1885 zeigte, welch großes Potenzial vorhanden war. Er führte immerhin 891 Positionen aller Art auf. Sie zeigten die große Bandbreite „erzgebirgischer Alterthümer“, die das Profil des Erzgebirgsmuseums bis heute prägen. Neben Büchern, Plänen, Bildwerken, Münzen, Familien- und Zunftnachlässen sowie Kunstgegenständen aller Art wurden von Beginn an auch Mineralien und Kuriosa gesammelt. Emil Finck prägte als erster Kurator die inhaltliche Ausrichtung des Museums. Ab dem Jahr 1905 beteiligte sich der Erzgebirgsverein am Museum. Er übergab eine Sammlung, die den Tourismus thematisierte. Im Zusammenhang damit wurde der Name in „Erzgebirgsmuseum“ geändert. Seit 1891 hat das Museum sein Domizil in einem geschichtsträchtigen Gebäude aus der Zeit der Stadtgründung.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Haus Große Kirchgasse 16 im Jahr 1521. In jenem Eintrag ist zu lesen, dass Johan Wolczen von Michael Schonleben das spätgotische Gebäude gegenüber der Annenkirche erwarb.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts konzentrierte sich das Erzgebirgsmuseum auf bestimmte Sammlungsschwerpunkte, wie z. B. seltene Textilien, wertvolle Bücher und Bucheinbände, Dokumente und Musterbücher, Innungsladen und Möbelstücke. Aber auch technisches Zubehör, Musikinstrumente, Werkzeug aller Art sowie Alltagsgegenstände und Familiennachlässe wurden in den Bestand übernommen. Darüber hinaus haben Münzen und Kunsthandwerk, Gemälde und Grafiken, Zinn-, Kupfer-, und Eisenobjekte sowie mechanisches Spielzeug, Weihnachtsberge und naturkundliche Artikel ihren Platz im Haus gefunden.

Seit 1995 bereichert das Silberbergwerk „Im Gößner” das Angebot des Erzgebirgsmuseums. Seither haben Besucher aus der ganzen Welt den erzgebirgischen Silberbergbau des 16. Jahrhunderts in Augenschein genommen.
Der Rundweg führt mit originalen Abbaubereichen, dem 110 m tiefe Gößnerschacht sowie farbenprächtigen Mineralen und Aussinterungen das Bergbaugeschehen der beginnenden Neuzeit eindrucksvoll vor Augen.

Emil Finck – Nestor des Erzgebirgsmuseums

Emil Finck (1856 - 1922) erwarb sich als Vater und Nestor des Annaberger
Alterthums- und Erzgebirgsmuseums große Verdienste. Er wurde am 10.
November 1856 in Mügeln/Sachsen geboren. Nach einer Ausbildung am Lehrerseminar seiner Heimatstadt und ersten beruflichen Erfahrungen erhielt er 1880 an der Bürgerschule in Annaberg eine Anstellung, die er bis zu seiner Pensionierung 1922 innehatte.

Als ehrenamtlicher Museumsleiter kümmerte er sich über Jahrzehnte um den Aufbau der kulturhistorisch wertvollen Sammlungen und die öffentliche Darstellung des Hauses. Er publizierte die ersten Museumsführer und plante die Veröffentlichung von Sammlungskatalogen.
Kurz nach der Jahrhundertwende richtete er eine neue Abteilung ein.
Wanderkarten und anschauliche Exponate stellten für Sommerfrischler aus den Großstädten das „Naturerlebnis Erzgebirge“ vor. Emil Finck erkannte bereits damals die wirtschaftlichen Chancen des Tourismus und reflektierte diese im Rahmen der neuen Ausstellung. Darüber hinaus bildeten Forschung und Publikationen Schwerpunkte seiner Arbeit.

Emil Finck hatte großes Organisationstalent und das Geschick, viele Bürger zum Wohle des Museums zusammenzuführen. Davon zeugt seine Mitwirkung an den Gründungen von Geschichtsverein, Erzgebirgsverein und Hammerbund. Vor allem die museale Nutzung des Frohnauer Hammers nach der Betriebsstilllegung im Jahr 1904 ist auf eine Initiative Emil Fincks zurückzuführen. Nach seinem Tod im Jahr 1922 hinterließ er der Stadt ein gut geführtes Museum. Ihm zu Ehren wird die Jubiläumsausstellung 125 Jahre Erzgebirgsmuseum an seinem 156. Geburtstag eröffnet.

Quellen: Desirée Baur, Erzgebirgsmuseum, Archiv, Erzgebirgsverein

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