Annaberg-Buchholz (MF) Vor über 800 Jahren, in den Jahren
1208 und 1209 gründete Franziskus von Assisi die Bruderschaft „Männer der Buße
von Assisi“. Daraus entstand 1223 der Order der Minderen Brüder, auch
Franziskanerorden genannt. Aus ihm gingen vier Päpste, 80 Kardinäle sowie etwa
2.500 Erzbischöfe und Bischöfe hervor. Heute bestehen in Deutschland noch vier
Ordensprovinzen. Weltweit gibt es noch rund 18.000 Franziskaner.
Ein Teil der Ordensgeschichte spielte sich auch im
Erzgebirge ab.
Erstmals erwähnt wurde das Annaberger Franziskanerkloster
am 8. Juni 1501.
In dem Schreiben heißt es: „herzogen jorgen vorwilliget
hot, ein closter anzunehmen auf dem Schreckenberge im Land Meyssen“ (Herzog
Georg bewilligt ein Kloster in der Neuen Stadt am Schreckenberg - dem späteren
St. Annaberg
- im Land Meißen) Am 30. August 1501 verhandelten Graf
Ludwig von Anhalt und Chemnitzer Brüder des Barfüßerordens in Annaberg den Bau
eines Klosters. Nur wenig später, im Oktober 1501 holte sich Herzog Georg bei
den Bischöfen in Meißen, Naumburg und Prag die Genehmigung zum Lesen der Messe,
zum Predigen und Almosensammeln. Damit waren die Voraussetzungen für die
Klostergründung geschaffen. Am 12. Februar 1502 legten Herzog Georg, sein
Bruder Friedrich sowie Bischof Johann VI. von Schleinitz den Grundstein für das
Annaberger Franziskanerkloster. 1506
wurden die Dächer der Gebäude und den Kreuzgang fertiggestellt, im Anschluss
begann der Innenausbau.
Vor 500 Jahren, im September 1512 wurde in der neu
gegründeten Stadt St.
Annaberg die Einweihung des Annaberger
Franziskanerklosters gefeiert. Bis
1539 prägte das sakrale Zentrum maßgeblich das geistliche
Leben des noch jungen Gemeinwesens. Besonders zu erwähnen sind dabei die
Firmung von 2.336 Kindern am 26. Juli 1519 und der Fürstentag am 9. Juni 1534.
Herzog Georg der Bärtige, Herrscher im albertinischen Sachsen, der gern in
seiner Lieblingsstadt St. Annaberg weilte, regierte zeitweise von hier sein
Land.
1522 erwarb er für 2000 rheinische Gulden das Abthaus des
Klosters, um es für eigene Zwecke zu nutzen.
Bedeutsam ist ferner die Tatsache, dass der Reformator
Friedrich Mykonius ab 1510 eine Zeit lang als Mönch im Annaberger
Franziskanerkloster wirkte.
Später wandte er sich dem Protestantismus zu und ging als
Reformator von Thüringen, Leipzig und der dortigen Universität in die
Geschichte ein.
Klosterfest vom 17. bis 19. August in der Annaberger
Altstadt
Anlässlich des Festjahres „500 Jahre Annaberger
Franziskanerkloster“ wird vom 17. bis zum 19. August 2012 das Klosterfest im
ehemaligen Klostergelände an der Klosterstraße in Annaberg-Buchholz zünftig
gefeiert.
Wie zu Zeiten der Stadtgründung laden Gaukler, Spielleute
und traditionsreiche Handwerke im historischen Ambiente zu einer Zeitreise ins
16. Jahrhundert ein. Töpfer, Lederer, Schmiede und Drechsler, Schneider und
Gewandmeister geben Einblick in traditionelle Techniken und Produktionsweisen.
Mönchsgesänge sowie Klänge aus Lauten, Dudelsäcken und
Schalmeien schaffen dafür den passenden musikalischen Rahmen. Dazu gibt es
Köstliches für Kehle und Gaumen. Originale Klosterbiere sind ebenso zu haben
wie aromatische Kräuterliköre, Schwein am Spieß, Knoblauch- oder Fladenbrote.
Echte Geheimtipps sind die Weintaverne im Klosterkeller und die
Klosterterrasse.
Der Auftakt wird am 17. Juli um 18.30 Uhr mit dem Einzug
von Vaganten, Gauklern und der Stadtobrigkeit gegeben. Danach folgt bis
Mitternacht ein buntes historisches Treiben. Am 18. August sind Spielleute,
Mönchsspiele, historische Instrumente, traditionsreiche Handwerke, der
Schützenumzug um
14.45 Uhr sowie das Kloster-Märchenspiel um 16.00 Uhr
besonders sehenswert.
Am Sonntag, dem 19. August laden die Kirchgemeinden der
Stadt Annaberg-Buchholz ab 10.30 Uhr im Gedenken an die einstige sakrale
Nutzung des Annaberger Franziskanerklosters zum Klostergottesdienst in die
Ruine der einstigen Klosterkirche ein.
Pfarrer Wilfried Wanat wird dabei besonders auf das Wirken
des Reformators Friedrich Myknius eingehen.
Am 12. September, dem Tag der Einweihung des Annaberger
Franziskanerklosters, ist eine Festveranstaltung im Berghauptmannszimmer des
Annaberger Rathauses geplant. Die Lage und Architektur des Klosters steht am
17. Oktober um 19.00 Uhr im Mittelpunkt eines Vortrags in der
Annaberg-Buchholzer Stadtbibliothek an der Klosterstraße.
Hintergrund:
Fünfhundertjährige Klostergeschichte – zahlreiche
Sachzeugen
Ab 1502 entstand in Annaberg innerhalb von zehn Jahren ein
großes Kloster, das in der Nord-Süd-Ausdehnung 60 Meter und in der
Ost-West-Ausdehnung 50 Meter maß. Rund um einen fast quadratischen Innenhof mit
Kreuzgang gruppierten sich die Gebäude. Gemäß den Bauregeln der Franziskaner
wurden die Häuser in schlichter Scheunenarchitektur errichtet. Im Erdgeschoss
befanden sich die eigentlichen Klosterräume, wie die Sakristei, der
Kapitelsaal, das Palatorium (Wärmestube), das Refektorium (Speisesaal), die
Küche sowie andere Wirtschaftsräume. In der ersten Etage waren vermutlich
Zimmer für den Landesfürsten, im Obergeschoss die Zellen der Brüder
untergebracht.
Den südlichen Abschluss der Anlage bildete die große
Klosterkirche, die mit
34 Metern Länge und 21 Metern Breite beachtliche Ausmaße
besaß. Heute ist davon noch die südöstliche Umfassungsmauer des Chorraumes
erhalten.
Das Interieur, das in der Klosteranlage seinen Platz
fand, war bemerkenswert. Zahlreiche Sachzeugen sind bis in die Gegenwart
erhalten geblieben. Der Hauptaltar der Klosterkirche ist ebenso wie der berühmte
Bergaltar der Annenkirche von Hans Hesse geschaffen worden. Bereits im Jahr
1594 wurde er durch die Vermittlung von Kurfürstin Sophie
an die Kirchgemeinde St. Katharinen in Buchholz übereignet. Hans Witten, u. a.
der Schöpfer der Tulpenkanzel im Freiberger Dom, stellte seine bildhauerische
Meisterschaft an der „Schönen Tür“ unter Beweis. Durch die Versetzung an die
Annenkirche (1576/77) konnte das Kunstwerk die Jahrhunderte bis heute
überdauern.
Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt auch der Altar der
Wolfgangsbruderschaft aus dem Franziskanerkloster. Das Werk von Hans Hesse, das
älter als der berühmte Annaberger Bergaltar ist, zeigt die frühesten
Darstellungen des sächsischen Silberbergbaus. Heute ist er in der St.
Katharinenkirche im Stadtteil Buchholz zu besichtigen.
Ein kostbares Schnitzwerk stellt die Schutzmantelmadonna dar, die ihren Platz
in der Annenkirche gefunden hat.
Mit der Reformation brach für das Franziskanerkloster
eine heiße Zeit an.
Friedrich Mykonius, der Luthers Lehren aufgeschlossen
gegenüberstand, wurde zeitweise im Kloster festgehalten, bis ihm die Flucht ins
ernestinische Sachsen nach Buchholz gelang. Einige „Aufsässige“ sind
wahrscheinlich eingemauert worden, wovon spätere Knochenfunde zeugen. Kurz nach
dem Tod Herzog Georgs am 17. April 1539 hielt Friedrich Mykonius am 4. Mai d.
J.
die erste protestantische Predigt im Kloster. Kurz darauf
verbot man den Franziskanern alle gottesdienstlichen Handlungen und nötigte
sie, sich in Laienkleidung und Ehestand zu begeben. Daraufhin ging die Mehrheit
der Brüder zu Ostern 1540 nach Böhmen in die Klöster Kadan und Eger. Danach
diente der Bau noch kurze Zeit als Münzstätte, Silberkammer und Bergamt.
Nach dem Stadtbrand von 1604 setzte man das Kloster als
Fürstenhaus instand. Das endgültige Aus kam mit dem Stadtbrand von 1731, der
die Anlage vollständig vernichtete. Im Zusammenhang mit dem Neubau des
Bergmagazins wurden ab 1802 die verbliebenen Reste abgetragen. Dem Markscheider
Johann Gottfried Schnick ist es zu verdanken, dass dabei die Grundstruktur des
Klosters in Form einer Zeichnung akribisch dokumentiert wurde. Originale dieser
Zeichnungen sind noch heute im Staatsarchiv Dresden und im Landesamt für
Denkmalspflege einsehbar.
Als Reverenz an diese bewegte Geschichte wird in
Annaberg-Buchholz in der Regel aller zwei Jahre das Klosterfest gefeiert. Dabei
wird das gesamte Areal des ehemaligen Klosters genutzt. Mit Historienspielen,
stimmungsvollen Musiken und mittelalterlichem Flair gibt es eine spannende
Reise in die Zeit der Annaberger Stadtgründung.
Quelle: Große Kreisstadt Annaberg-Buchholz


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