Freitag, 24. Mai 2013

Sächsischer Jakobsweg und Jakobsweg Vogtland werden offiziell eröffnet

Sächsischer Jakobsweg und Jakobsweg Vogtland werden offiziell eröffnet

Sachsen ist um eine spirituell-touristische Attraktion reicher: Der Sächsische Jakobsweg und der Jakobsweg Vogtland werden nach einer vierjährigen Vorbereitungszeit am 1. und 2. Juni mit einem Fest in Freiberg eröffnet. Musiker lassen dabei die Zeit des Mittelalters wieder lebendig werden. Kabarettisten und Fachreferenten widmen sich dem Pilgern in Historie und Gegenwart. Repräsentanten von Freistaat und Kirche würdigen das Engagement des Vereins. Eine Pilgerwanderung, ein Festgottesdienst und ein Pilgermarkt runden das Programm ab. 

Freiberg als Veranstaltungsort wählte der Verein aus zwei Gründen. Vorsitzender Ulrich Wolf: „Zum einen ist in Freiberg die Grablege unseres prominentesten Pilgers, Heinrich der Fromme, zu finden; zum anderen haben uns das Stadtmarketing und der Fremdenverkehrsverein stets unterstützt.“ Freibergs Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm verweist auf die lange Tradition des Pilgerns in Freiberg. Mit Heinrich dem Frommen, der um 1500 gen Santiago des Compostela gezogen sei, habe Freiberg nicht nur ein historisches Pilgervorbild zu bieten; in den Stadtannalen seien zudem Pilgerunterkünfte bereits für das 13. Jahrhundert belegt. „Ich freue mich, dass der Sächsische Jakobsweg nun hier bei uns eröffnet wird und damit eine Brücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart geschlagen wird.“

Das Programm (offenes Angebot für alle Interessierten):

1. Juni, 14.00 Uhr: Festakt im städtischen Festsaal des Ratskellers, Obermarkt 16:
Künstler: Dresdner Blockflötenconsort, Dresdner Hoftanz e. V., Kabarettistin Raymonde Will (Leipzig);
Redner: Staatsminister Dr. Johannes Beermann, Freibergs Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm, Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer (ev.-luth. Landeskirche Sachsen), Dekan Heinrich Bohaboj (kath. Bistum Dresden-Meißen), Joachim Rühl (Präsident der Fränkischen St. Jakobusgesellschaft, Würzburg).
1. Juni, 16.20 Uhr – 18.20 Uhr: Vortragsprogramm (Alte Mensa, Petersstraße 1):
Heriberte Heisele (Forchheim): Ein spiritueller Rundgang um die Kathedrale in Santiago. 
Siegfried Bayer (Chemnitz): Die Geschichte der alten Frankenstraße in Sachsen.
Dr. Hans Jürgen Arens (Emmerich/Niederrhein): „Jakobus und Santiago – alles nur frommer Betrug? Eine Spurensuche vom See Genezareth über Jaffa nach Santiago“.
Thorsten Bolte (Grimma): „Mit Johann Gottfried Seume unterwegs – was unterscheidet den Spaziergang nach Syrakus vom Pilgern nach Santiago?“
Patrick Heiser (Fernuniversität Hagen): „Pilgern gestern und heute – soziologische Beiträge zur Praxis auf dem Jakobsweg“.
1. Juni, 17.30 Uhr: Musikreihe „Dom und Klang“ im Freiberger Dom (kostenpflichtig)
Motto: „Ultreia, Ultreia – Jakobus der Ältere und der Apostelzyklus“ mit Gerhard Walter (Leipzig) sowie Ekkehard Werner an der Schlüsselfidel
1. Juni, ab 19.30 Uhr: Abendausklang im Studentenklub „Abgang“ (Alte Mensa) mit Live-Musik (Bert Bochmann, Adorf).
2. Juni, 7.00 Uhr: Pilgerwanderung Naundorf-Freiberg (Hinfahrt mit Bussen). Start an der Naundorfer Kirche um 7.20 Uhr.
2. Juni, 10.00 Uhr: Festgottesdienst in der Freiberger Jakobikirche (bitte kein Film- und Fotaufnahmen!).
2. Juni, 11.30 Uhr bis 16.00 Uhr: Pilgermarkt am Petriplatz:
Künstler: Elisabeth Haug, Berlin (Kammerspiel „Katharinas Tischreden“); Gabriel Lindner (Gitarre) und Karl Helbig (Saxophon) aus Moritzburg; Tilman Ludwig (Gregorianik) aus Jena.
Angebote: Kulinarisches zwischen Sachsen und Spanien; Sächsische Jugendstiftung; Pilgerwege in Deutschland.

Statistische Angaben zum Sächsischen Jakobsweg und Jakobsweg Vogtland:

Der Weg ist eingebunden ist das europäische Jakobswege-Netz und entspricht den 1988 durch den Europarat festgelegten Kriterien für Jakobswege. Dazu zählen: Authentizität (Route war im Mittelalter ein Handelsweg), Anbindung (bedeutende Abkürzung für Pilger aus Osteuropa sowie Anschluss Sachsen an das Europa-Netz), Begehbarkeit, Zielorientierung (Ausschilderung nur in Richtung Santiago auf möglichst direktem Weg), Einbeziehung regionaler Akteure,  Betreuung und Beratung von Pilgern.
Die gesamte Strecke von Bautzen bis Hof beträgt 307 Kilometer, die der Variante Königsbrück-Grumbach 52 Kilometer.
Vom Startpunkt in Bautzen aus bis Santiago de Compostela sind es exakt 3.188 Kilometer, die man auf durchgehend markierten Jakobswegen laufen kann. Bei einem Tagesdurchschnitt von etwa 23 Kilometern wäre man somit gut 139 Tage unterwegs.
Der niedrigste Punkt des Weges ist die Augustusbrücke in Dresden (120 m ü. NN) bzw. auf der Variante die Elbfähre Coswig (103 m ü. NN); der höchste Punkt liegt bei 612 Metern über Normalnull kurz vor dem Dreiländereck Sachsen/Böhmen/Bayern im Vogtland.
Insgesamt 6.189 Höhenmeter sind zu überwinden.
Etwa 40 Prozent des Weges führen über Asphalt, 20 Prozent auf Waldwegen und 40 Prozent auf Feldwegen.
Neun sächsische Landkreise und kreisfreie Städte, 40 Kommunen sowie 113 evangelische und katholische Kirchgemeinden werden durchquert.
Rund 1 100 Markierungen mit dem Zeichen der Jakobsmuschel weisen den Weg, hinzu kommen etwa 100 extra gefertigte Wegweiser. Leider kommt es immer wieder zu Schäden durch Vandalismus.
Einige Kommunen wie Zwickau oder Reinsdorf haben eigene Wegweiser entwickelt und aufgestellt. Andere haben Informationstafeln finanziert oder mittels ihrer kommunalen Bauhöfe markiert. In Freiberg hat die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Muschelwegweiser aus Sandstein gestiftet.
Für die Bereitung des Weges mussten 17 Gestattungs-, Haftungs-, und Genehmigungsverträge geschlossen werden: mit Versicherungen, Waldbesitzern, Kommunen und Privatleuten. Die Stadt Dresden war die einzige Gebietskörperschaft, die dafür von dem gemeinnützigen Verein eine Bearbeitungsgebühr verlangte.
Die Gesamtkosten von ca. 3.000 Euro wurden allein über Spender und Sponsoren akquiriert. Die Bürgerstiftung „Wir für Sachsen“ unterstützte für neun Monate sieben ehrenamtliche Wegbereiter des Vereins mit monatlich 40 Euro.
Der Verein finanziert sich durch die Beiträge seiner gut 40 Mitglieder, durch Spenden sowie den Verkauf des Pilgerausweises.
Der Anfang Mai 2013 in einer Auflage von 4.000 Stück auf den Markt gekommene Pilgerführer erschien wegen des wirtschaftlichen Risikos in einem professionell arbeitenden Verlag. Nach Angaben des Verlags wurden seitdem bereits 700 Exemplare verkauft.
Der gesamte Weg kann über den Internetauftritt des Vereins als GPX-Track sowie für Garnim-Navigationskarten heruntergeladen werden.
In den teilweise am Weg ausliegenden Pilgerbüchern finden sich Einträge von Pilgern aus Estland, Schottland, Polen, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz. Der Großteil der deutschen Pilger stammt bislang aus Sachsen, Berlin, Norddeutschland und Bayern. Mittelfristig rechnet der Verein mit 1.000 bis 1.500 Pilgern pro Jahr auf dem Sächsischen Jakobsweg.
Zehn klassische Pilgerherbergen wurden eingerichtet in: Demitz-Thumitz (Lehrlingswohnheim der Steinmetzschule), Dresden (Pilgerzimmer im Gästehaus der Diakonissen), Freital-Pesterwitz (Kapelle auf dem Friedhof), Falkenberg (Bauernhof), Wilsdruff (Rittergut), Naundorf (Landgut), Adorf (Bauernhof), Jahnsdorf (Autogarage), Irfersgrün (Campingplatz), Oberlauterbach (Naturschutzzentrum) und Hof (Al-tenheim).
Weitere Pilgerunterkünfte stehen zur Verfügung auf Spendenbasis bei Privatleuten (11 x) und in Kirchgemeinden (26 x).
41 gewerbliche, direkt am Weg liegende Unterkünfte bieten ebenfalls Obdach, teilweise mit Rabatt gegen Vorlage des Pilgerausweises. Bereits zehn Betriebe davon tragen die Plakette „Pilgerfreundlich“.
Hinzu kommen vier Jugendherbergen, in denen Pilger auch ohne Mitgliedschaft im Jugendherbergswerk übernachten können, sowie fünf „Pilgeroasen“, an denen sich Pilger gegen eine „Kasse des Vertrauens“ unterwegs mit Snacks, Obst und Getränken stärken können.

Quelle: Stadtverwaltung Freiberg


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