Freitag, 7. September 2012

Erste Freiland-Weihnachtspyramide der Welt: Nachbau fertiggestellt Präsentation zum Tag der Sachsen am 9. September 2012 in Freiberg





Nicht nur zum Abschluss der Sommerolympiade in London wurde eine Pyramide errichtet. Bereits 1933, vor knapp 80 Jahren wurde im erzgebirgischen Frohnau - weithin bekannt durch seinen Frohnauer Hammer - die erste Freiland-Weihnachtspyramide der Welt errichtet. Nachdem seit dem 19.
Jahrhundert die erzgebirgischen Stuben von zahlreichen Pyramiden geschmückt wurden und 1923 in Seiffen die erste Serie gewerblich gefertigter Pyramiden produziert wurde, entwickelte der Frohnauer Zimmermann Traugott Pollmer, Mitglied im örtlichen Schnitzverein, 1926 die Idee, eine „Pyramide für alle“ zu schaffen. Den Anstoß dafür gab die Aufstellung des ersten elektrisch beleuchteten Weihnachtsbaumes 1926 auf dem Marktplatz in Annaberg. Er war der „Christbaum für alle“.

Die erste Freiland-Weihnachtspyramide sollte elektrisch angetrieben und beleuchtet werden. Maßgeblich an der Realisierung des Projekts beteiligt waren die Werkstatt Oskar Weber in der Sehmatalstraße 10, die Elektrofirma Schubert sowie Mitglieder des Frohnauer Schnitzvereins, die dazu die Figuren fertigten.
Nach fast zwei Jahren gemeinsamer Arbeit wurde die erste Freiland-Weihnachtspyramide der Welt am 17. Dezember 1933 vor dem Frohnauer Gemeindeamt feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Die vierstöckige Pyramide war mit gotischen Bögen und Säulen gestaltet und zeigte die Christgeburt, Bergleute, Engel sowie Szenen aus der Tierwelt. Traugott Pollmer erlebte die Weihe selbst nicht mehr. Zwei Jahre lang schmückte die Pyramide das Ortsbild. Danach kam es zu politischen Differenzen. Die Christgeburt erschien einem nationalsozialistisch gesinnten Mitglied des Schnitzvereins nicht mehr zeitgemäß. Daraufhin nahmen all jene, die die Freilandpyramide geschaffen hatten, ihre Teile mit nach Hause. Ab 1935 wurde sie nie wieder aufgestellt. Heute sind alle Teile verschollen. Allerdings existieren noch historische Fotos.

Nun, knapp 80 Jahre nach der ersten Aufstellung haben Holzbildhauer Dietmar Lang, Mitglieder des Schnitzvereins „Paul Schneider“, städtische Firmen und die Stadt Annaberg-Buchholz die Initiative ergriffen, um die erste Freiland-Weihnachtspyramide der Welt im Maßstab 1 : 2 wieder entstehen zu lassen. Im Mai 2012 begann eine Arbeitsgruppe von Handwerkern, Schnitzern und Mitarbeitern der Stadt mit der Realisierung. Anhand alter Fotos wurden Baupläne gezeichnet und Materialeinkäufe getätigt. Den äußeren Rahmen der Pyramide fertigte Wolfram Richter vom städtischen Betriebshof. Außerdem wirkten die Drechslerei Breitfeld und die Firma Schlosserei und Werkzeugbau Christoph Schiefer mit. Das VW-Autohaus Seifert kümmerte sich um die Farbgebung, die Firma Elektrobau Annaberg GmbH um den Antrieb. Die Pyramidenfiguren wurden von Mitglieder des Schnitzvereins „Paul Schneider“ geschnitzt. Am 9. September 2012 wird der originalgetreue Nachbau zum Tag der Sachsen in Freiberg auf einem Festwagen präsentiert.  Danach soll die Pyramide im Stadtgebiet an würdiger Stelle ihren Platz finden.

Beteiligte Firmen und Personen:
Große Kreisstadt Annaberg-Buchholz
Langs Erzgebirgshaus, Ortsteil Frohnau
Planungsbüro IfBB Annaberg, Frau Münch, Frau Kunze Drechslerei Jens Breitfeld, Annaberg-Buchholz Elektrobau Annaberg GmbH Schlosserei und Werkzeugbau Christoph Schiefer, Annaberg-Buchholz, OT Frohnau Schnitzverein Paul Schneider Annaberg-Buchholz / Frohnau Stadtwerke Annaberg-Buchholz VW Autohaus Seifert Annaberg-Buchholz Glasbläsermeister Frieder Schulz, Niederdorf

Hintergrund:
Das Erzgebirge ist nicht nur durch den Bergbau, sondern auch durch seine Volkskunst bekannt geworden. Zur ursprünglich bergmännischen Volkskunst des Schnitzen und Basteln kamen vor allem ab dem 19. Jahrhundert noch das Drechseln und die Holzspielzeugherstellung hinzu. Diese Traditionen wurden von Generation zu Generation weitergegeben, durch neue Motive und Techniken bereichert und auf diese Weise erhalten und ergänzt.

Eine vorrangige Stellung nahm die Herstellung und das Aufstellen von Weihnachtspyramiden ein. Gegenwärtig werden in erzgebirgischen Handwerksbetrieben, aber auch von Volkskünstlern Tausende dieser stimmungsvollen Schmuckstücke gefertigt und in alle Welt versandt. Von der kleinen Minipyramide bis zu imposanten großen Zimmerpyramide gibt es eine gewaltige Vielfalt an Formen und Konstruktionen.

Seit 1933 gibt es auch erzgebirgische Weihnachtspyramiden, die im Freien aufgestellt werden. Sie bezeichnet man als Freilandpyramiden, Orts- oder Marktpyramiden oder sehr zutreffend als „Pyramide für alle“. Frohnau bei Annaberg-Buchholz war weltweit die erste Kommune, in der eine solche Pyramide den Ort schmückte.
Inzwischen gibt es nach Schätzung von Fachleuten über 400 solcher Freiland-Weihnachtspyramiden in vielen Städten und Dörfern des Erzgebirges, auch an Privathäusern und in Betrieben. Auch in der Schweiz, in Frankreich, den USA, Brasilien und Japan wurden inzwischen solche Pyramiden, die ihre Wurzeln im Erzgebirge haben, aufgestellt.

Quelle: Stadt Annaberg Buchholz